Unglaublich!
Zum 20. Mal tobte nun das Tanz- und Folkfest durch die Straßen und Gassen von Rudolstadt, die Burg und den Heinepark.

Und immerhin – ich habe eben das 15. Programmheft im Bücherschrank abgestellt Das heißt, ein gutes Stück dieser tollen Geschichte haben wir miterlebt. Schon beim ersten Besuch 1996 haben wir uns für immer infiziert: mit dem TFF-Virus. Der ist nicht schlimm. Er meldet sich zum ersten Mal im Frühjahr, wenn die Post einen Brief aus Rudolstadt anbringt, mit einer Programmvorschau und einem Bestellzettel. Irgendwann im Juni kommen die Tickets und das Programmheft – der zweite Schub!
Dann geht das Tüfteln los, welche Konzerte sein müssen, was interessant klingt... das Programmheft ist über und über mit bunten Klebezetteln gespickt. Terminanfragen für dieses Wochenende werden mit Nachsicht abgelehnt: Nein, zum TFF sind wir natürlich nicht verfügbar....wie auch.
Und spätestens in der Woche vorm TFF wird es ernst. Wetterbericht erübrigt sich in der Regel, denn Regen gehört zwingend zum TFF (die beiden letzten Jahre gehören zu den rühmlichen Ausnahmen). Die Zeltausrüstung wird zusammengestellt, der Anreisetermin wird von Jahr zu Jahr wichtiger, weil die Besucher immer früher anreisen.
Dieses Jahr waren wir so früh wie selten zuvor: Freitag 13:30 Uhr. Und schon zu spät für den "normalen" Zeltplatz. Das heißt dann: Auto auf die Parkfläche, Zelt fernab davon aufgestellt. Aber das trübt die Stimmung nicht, denn jetzt bricht der Virus vollends aus und wir schweben in den nächsten zweieinhalb Tagen auf der TFF-Welle.
Eigentlich wäre es nicht schlimm, wenn das Programm über Jahre gleich bliebe. Denn aus der Vielzahl der Konzerte und Veranstaltungen ließen sich mühelos die verschiedensten TFF-Varianten stricken, so dass es wirklich einige Jahre brauchte, sie abzuarbeiten. Das macht aber auch jedes TFF einzigartig. Beeindruckend in diesem Jahr war der Auftritt von Arlo Guthrie mit den Thüringer Sinfonikern. "City of New Orleans" mit Arlo am Eisenberger Flügel und klassischem Streicher- und Bläsersatz im Rücken: Gänsehaut pur.
Die Nackenhaare stellen sich dann am nächsten Morgen bei REWE auf: im Lautsprecher dudelt (ich traue meinen Ohren nicht), eine Coverversion von "City of New Orleans": Rudi Carell (wann wirds mal wieder richtig Sommer?). Draußen sind schon am Morgen gefühlte 30 Grad im Schatten. Und die Bildzeitung treibt mich mit ihrer Schlagzeile "Messi kriegt auf die Fressi" zum Fremdschämen. Es wird auch so ein schöner Fußballnachmittag bei dieser WM, die sich herrlich unaufgeregt in dieses TFF eingliedert, wie schon all die anderen EM und WM zuvor. Etwas Hektik kommt allerdings doch auf, als sich ausgerechnet eine halbe Stunde vor Anpfiff des Viertelfinalspiels Blasmusiker in der Saale tummeln und damit den Fußgängerverkehr auf der naheliegenden Brücke zum Erliegen bringen.
Aber auch das meistern die TFF-Besucher mit der eigenen freundlichen Gelassenheit, die regelmäßig zum TFF die Stadt regiert. Selbst die allgegenwärtige Hitze wird stoisch ertragen, wie in anderen Jahren der Regen (und kaum zu glauben: auch Kühle !!!). Als die Schweizerin Sophie Hunger um Mitternacht auf der Burg singt, geht ein langer Samstag zur Neige; die Nacht bringt Abkühlung und Erschöpfung.
Der Sonntag schließlich bringt das, worauf alle warten: Etwas weniger Sonne, viele Künstler, für die bislang noch keine Zeit war, dafür Zeit für Begegnungen, Stadtbummel, und pünktlich zum Abschlusskonzert: Gewitter und Regen! Heißa!!!
Nicht nur die Anreise verschiebt sich von Jahr zu Jahr weiter nach vorn, auch die Abreise verschiebt sich nach hinten. Als wir Sonntagabend abreisen, ist noch der halbe Zeltplatz belegt... Wir kommen uns nach einem vollen Wochenende vor wie Kurzbesucher.
Das Schöne am TFF-Virus ist der sanfte Nachhall, der bis zum nächsten Frühjahr anhält, wenn dann das Programm fürs nächste TFF im Briefkasten liegt... 2011 freuen wir uns auf die Schweiz als Länderschwerpunkt. das Magische Instument Harfe (Rüdiger Oppermann, ick hör dir trapsen) - und Andreas Vollenweider sollte sich gut überlegen, was er im nächsten Jahr plant. Die Gelegenheit kommt sicher nicht wieder!!!
Aber wir!
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